Ihr Kind braucht aufgrund seiner Erkrankung oder Behinderung mehr Pflege als andere Kinder?

Dann können Sie eine Pflegestufe beantragen. Das ist auch für junge Kinder möglich. Man muss den pflegerischen Mehraufwand nachweisen. Die Pflegekassen sind bei den Krankenkassen angesiedelt. Dort stellen Sie einen Antrag auf Pflegebegutachtung. Über den Pflegegrad entscheidet der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Bei pflegebedürftigen Kindern wird der Pflegegrad durch einen Vergleich der Beeinträchtigung ihrer Selbstständigkeit mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt. Für Kinder im Alter von 0 bis 18 Monaten gelten Sonderregelungen, um häufige Wiederholungsbegutachtungen in den ersten Lebensmonaten zu vermeiden.

Die Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem XI. SGB  bilden die Grundlage für die Einstufung in einen Pflegegrad.


Pflegeantrag und Begutachtung

Allgemeines Begutachtungsverfahren

Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit durch Feststellung der Fähigkeiten in 6 verschiedenen Lebensbereichen, so genannten Modulen, ermittelt. Dabei werden verschiedene Kriterien mit Punktwerten versehen, die je nach Modul unterschiedlich gewichtet werden. Die Gesamtbewertung ergibt die Einstufung in einen von 5 Pflegegraden.

Einzelkriterien der 6 Module : 

 1. Mobilität

  • Positionswechsel im Bett
  • Halten einer stabilen Sitzposition
  • Umsetzen
  • Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
  • Treppensteigen

 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

  • Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld
  • Örtliche Orientierung
  • Zeitliche Orientierung
  • Erinnern an wesentliche Ergebnisse oder Beobachtungen
  • Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen
  • Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben
  • Verstehen von Sachverhalten und Informationen
  • Erkennen von Risiken und Gefahren
  • Mitteilen elementarer Bedürfnisse
  • Verstehen von Aufforderungen
  • Beteiligen an einem Gespräch

 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

  • Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
  • Nächtliche Unruhe
  • Gegen sich selbst gerichtetes schädigendes oder aggressives Verhalten
  • Beschädigen von Gegenständen
  • Körperlich aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen
  • Verbale Aggression
  • Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten
  • Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen
  • Wahnvorstellungen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
  • Sozial inadäquate Verhaltensweisen
  • Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

  4. Selbstversorgung

  • Waschen des vorderen Oberkörpers
  • Körperpflege im Bereich des Kopfs (Kämmen, Zahnpflege/Prothesenreinigung, Rasieren)
  • Waschen des Intimbereichs
  • Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare
  • An- und Auskleiden des Oberkörpers
  • An- und Auskleiden des Unterkörpers
  • Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
  • Essen
  • Trinken
  • Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
  • Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma
  • Bewältigung der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma
  • Ernährung parental oder über Sonde

 5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder
     therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

  • Medikation
  • Injektion (unter die Haut oder in den Muskel)
  • Versorgung intravenöser Zugänge (Port)
  • Absaugen oder Sauerstoffgabe
  • Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen
  • Messung und Deutung von Körperzuständen
  • Körpernahe Hilfsmittel
  • Verbandwechsel und Wundversorgung
  • Versorgung mit Stoma
  • Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmitteln
  • Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
  • Zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung
  • Arztbesuche
  • Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu 3 Stunden)
  • Zeitlich ausgedehnte Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (länger als 3 Stunden)
  • Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern
  • Einhaltung einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften

 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

  • Gestaltung eines Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen
  • Ruhen und Schlafen
  • Sich beschäftigen
  • Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen
  • Interaktion mit Personen im direkten Kontakt
  • Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

 Es werden auch Kriterien berücksichtigt, bei denen ein Hilfebedarf im Bereich der Anleitung, Motivation und Schulung besteht.

 Zusätzlich: Außerhäusliche Aktivität und Haushaltsführung

Auch Beeinträchtigungen in den Bereichen außerhäusliche Aktivität und Haushaltsführung werden bei der Pflegebegutachtung ermittelt. Diese beiden Bereiche werden allerdings nicht für die Einstufung in einen Pflegegrad herangezogen, sondern dienen dazu, einen passenden Versorgungsplan zu entwickeln.

 Bei der Begutachtung werden zudem Maßnahmen ermittelt, welche die Pflegebedürftigkeit beseitigen, mindern oder eine Verschlimmerung verhindern. Hierunter können Verbesserungen des Wohnumfelds, die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln oder eine Medizinische Rehamaßnahme gehören.


 

Klassifikation der Selbstständigkeit

Die Punktebewertung der einzelnen Kriterien der Module 1, 2, 4 und 6 erfolgt anhand der Beurteilung der Selbstständigkeit. Diese ist wie folgt definiert:

  • Selbstständig: Es besteht die Fähigkeit eine Handlung oder Aktivität allein, d.h. ohne Unterstützung einer anderen Person, aber ggf. mit Nutzung von Hilfsmitteln, durchzuführen. 
  • Überwiegend selbstständig: Der größte Teil der Aktivität kann alleine durchgeführt werden. Die Pflegeperson muss nur unterstützend tätig werden, z.B. durch Zurechtlegen von Gegenständen, einzelne Handreichungen, Aufforderungen oder um die Sicherheit zu gewährleisten.
  • Überwiegend unselbstständig: Die Aktivität kann nur zu einem geringen Anteil selbstständig durchgeführt werden, aber eine Beteiligung ist möglich. Diese setzt ggf. eine ständige Anleitung oder Motivation voraus und Teilschritte müssen übernommen werden.
  • Unselbstständig: Die Aktivität kann nicht eigenständig durchgeführt werden, auch nicht teilweise. Es sind kaum oder keine Ressourcen vorhanden. Die Pflegeperson muss nahezu alle (Teil-)Handlungen durchführen. Eine minimale Beteiligung des Pflegebedürftigen ist nicht zu berücksichtigen.

 

Berechnung des Pflegegrades

Für die Ermittlung des Pflegegrades werden die erhobenen Punktwerte der einzelnen Module addiert und anschließend je nach Modul unterschiedlich gewichtet. Dies soll sicherstellen, dass besonders wichtige Module entsprechend in die Berechnung des Pflegegrades mit einfließen.

Modul

Inhalt

Gewichtung

1

Mobilität

10  %

2 oder 3*

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen oder psychische Probleme

15 %

4

Selbstversorgung

40%

5

Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

20%

6

Gestaltung des Alltagslebens, soziale Kontakte

15 %

* Besonderheit bei den Modulen 2 und 3: Es zählen nicht beide, sondern nur der höhere der beiden Punktwerte für die Berechnung.

Aus den gewichteten addierten Punktwerten von 5 Modulen wird der Gesamtpunktwert (0-100) errechnet, der das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit bestimmt. Daraus leitet sich der Pflegegrad ab.


 

Pflegegrade

Folgende 5 Pflegegrade sind möglich:

  • Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 12,5 bis unter 27 Punkte)       
  • Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 27 bis unter 47,5 Punkte)
  • Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 47,5 bis unter 70 Punkte)
  • Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 70 bis unter 90 Punkte)
  • Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (ab 90 bis 100 Punkte)

 

Sonderregelung zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Maßgebend für die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind die Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem XI. SGB, die ein für Kinder entwickeltes Begutachtungsinstrument enthalten.  Es werden in der Bewertung die Abweichungen von der Selbständigkeit und den Fähigkeiten altersentsprechend entwickelter Kinder zugrunde gelegt.

Für pflegebedürftige Kinder im Alter bis zu 18 Monaten gibt es eine Sonderregelung, da in diesem Alter die Kinder aufgrund der fehlenden Selbstständigkeit entweder keinen oder nur einen niedrigen Pflegegrad erreichen können. Daher werden die pflegebedürftigen Kinder im Alter bis 18 Monaten immer pauschal einen Pflegegrad höher zugeordnet.

 

Kinder ab Vollendung des 18. Lebensmonats

Ab dem vollendeten 18. Lebensmonat erfolgt dann ohne eine erneute Begutachtung eine Zuordnung zum Pflegegrad.

Die folgende Tabelle zeigt die Berechnungssystematik zur Berechnung der Punkte, welche bei Kindern unter elf Jahren im Vergleich zu altersentsprechend entwickelten Kindern zugrunde gelegt wird.

altersentsprechend entwickeltes Kind „unselbständig“ bzw. „Fähigkeit nicht vorhanden“

altersentsprechend entwickeltes Kind „überwiegend unselbständig“ bzw. „Fähigkeit in geringem Maße vorhanden“

altersentsprechend entwickeltes Kind „überwiegend selbständig“ bzw. „Fähigkeit größtenteils vorhanden“

altersentsprechend entwickeltes Kind „selbständig“ bzw. „Fähigkeit vorhanden/unbeeinträchtigt“

zu beurteilendes Kind „unselbständig“ bzw. „Fähigkeit nicht vorhanden“

0

1

2

3

zu beurteilendes Kind „überwiegend unselbständig“ bzw. „Fähigkeit in geringem Maße vorhanden“

- - -

0

1

2

zu beurteilendes Kind „überwiegend selbständig“ bzw. „Fähigkeit größtenteils vorhanden“

- - -

- - -

0

1

zu beurteilendes Kind „selbständig“ bzw. „Fähigkeit vorhanden/ unbeeinträchtigt“

- - -

- - -

- - -

0

Beurteilt werden in dem Alterskorridor bis elf Jahren die Module 1 „Mobilität“, 2 „kognitive und kommunikative Fähigkeiten“, 4 „Selbstversorgung“ und 6 „Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte“.

Die Tabellen zeigen den altersentsprechenden Selbstständigkeitsgrad bzw. die altersentsprechenden Fähigkeiten bei Kindern:

 

Modul 1 Kinder - Mobilität

1

Altersentsprechender Selbständigkeitsgrad

Nr.

unselbständig

überwiegend unselbständig

überwiegend selbständig

selbständig

1.1

Positionswechsel im Bett

unter 1 Monat

von 1 Monat bis unter 3 Monate

von 3 Monaten bis unter 9 Monate

ab 9 Monaten

1.2

Halten einer stabilen
Sitzposition

unter 6 Monaten

von 6 Monaten bis unter 8 Monate

von 8 Monaten bis unter 9 Monate

ab 9 Monaten

1.3

Umsetzen

unter 8 Monaten

von 8 Monaten bis unter 9 Monate

von 9 Monaten bis unter 11 Monate

ab 11 Monaten

1.4

Fortbewegen innerhalb
des Wohnbereichs

unter 12 Monaten

von 12 Monaten bis unter 13 Monate

von 13 Monaten bis unter 18 Monate

ab 18 Monaten

1.5

Treppensteigen

unter 15 Monaten

von 15 Monaten bis unter 18 Monate

von 18 Monaten bis unter 2 Jahren und 6 Monate

ab 2 Jahren und 6 Monaten

 

Modul 2 Kinder - Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

2

Altersentsprechender Selbständigkeitsgrad

Nr.

unselbständig

überwiegend unselbständig

überwiegend selbständig

selbständig

2.1

Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld

unter 6 Wochen

von 6 Wochen bis unter 9 Monate

von 9 Monaten bis unter 15 Monate

ab 15 Monaten

2.2

Örtliche Orientierung

unter 13 Monaten

von 13 Monaten bis unter 18 Monate

von 18 Monaten bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

2.3

Zeitliche Orientierung

unter 2 Jahren und 6 Monaten

von 2 Jahren und 6 Monaten bis unter 5 Jahre

von 5 Jahren bis unter 7 Jahre

ab 7 Jahren

2.4

Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen

unter 9 Monaten

von 9 Monaten bis unter 3 Jahre

von 3 Jahren bis unter 5 Jahre und 6 Monate

ab 5 Jahren und 6 Monate

2.5

Steuer von mehrschrittigen Alltagshandlungen

unter 5 Monaten

von 5 Monaten bis unter 12 Monate

von 12 Monaten bis unter 15 Monaten

ab 15 Monaten

2.6

Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben

unter 18 Monaten

von 18 Monaten bis unter 2 Jahre und 6 Monate

von 2 Jahren und 6 Monate bis unter 4 Jahre und 6 Monate

ab 4 Jahren und 6 Monate

2.7

Verstehen von Sachverhalten und Informationen

unter 4 Jahren

Von 4 Jahren bis unter 5 Jahre

von 5 Jahren bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

2.8

Erkennen von Risiken und Gefahren

unter 2 Jahren und 6 Monate

Von 2 Jahren und 6 Monate bis unter 6 Jahren und 6 Monate

von 6 Jahren und 6 Monate bis unter 10 Jahre

ab 10 Jahren

2.9

Mitteilen von elementaren Bedürfnissen

unter 3 Monaten

von 3 Monaten bis unter 13 Monate

von 13 Monaten bis unter 4 Jahren

ab 4 Jahren

2.10

Verstehen von Aufforderungen

unter 16 Monaten

von 16 Monaten bis unter 18 Monate

von 16 Monaten bis unter 18 Monate

ab 2 Jahren und 6 Monaten

2.11

Beteiligen an einem Gespräch

unter 15 Monaten

von 15 Monaten bis unter 2 Jahre

von 2 Jahren bis unter 4 Jahren

ab 4 Jahren

 

Modul 4 Kinder - Selbstversorgung

4

Altersentsprechender Selbständigkeitsgrad

Nr.

unselbständig

überwiegend unselbständig

überwiegend selbständig

selbständig

4.1

Waschen des vorderen Oberkörpers

unter 2 Jahren

von 2 Jahren bis unter 4 Jahre

von 4 Jahren bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

4.2

Körperpflege im Bereich des Kopfes

unter 18 Monaten

von 18 Monaten bis unter 3 Jahre und 6 Monate

von 3 Jahren und 6 Monate bis unter 5 Jahre

ab 5 Jahren

4.3

Waschen des Intimbereichs

unter 2 Jahren

von 2 Jahren und 4 Jahre

von 4 Jahren bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

4.4

Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare

unter 3 Jahren und 6 Monate

von 3 Jahren und 6 Monate bis unter 4 Jahre

von 4 Jahren bis unter 8 Jahre

ab 8 Jahren

4.5

An- und Auskleiden des Oberkörpers

unter 18 Monaten

von 18 Monaten bis unter 3 Jahre und 6 Monate

von 3 Jahren und 6 Monaten bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

4.6

An- und Auskleiden des Unterkörpers

unter 18 Monaten

von 18 Monaten bis unter 3 Jahre und 6 Monate

von 3 Jahren und 6 Monate bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

4.7

Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken

unter 2 Jahren

Von 2 Jahren bis unter 5 Jahre und 6 Monate

von 5 Jahren und 6 Monate bis unter 8 Jahre

ab 8 Jahren

4.8

Essen (Dreifachwertung)

unter 7 Monaten

von 7 Monaten bis unter 20 Monate

von 20 Monaten bis unter 2 Jahre und 6 Monate

ab 2 Jahren und 6 Monate

4.9

Trinken (Doppelwertung)

unter 8 Monaten

von 3 Monaten bis unter 11 Monate

von 11 Monaten bis unter 2 Jahren

ab 2 Jahren

4.10

Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls (Doppelwertung)

unter 18 Monaten

von 18 Monaten bis unter 3 Jahre und 6 Monate

von 3 Jahren und 6 Monate bis unter 6 Jahre

ab 6 Jahren

4.11

Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma

unter 5 Jahren

ab 5 Jahren

4.12

Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma

unter 5 Jahren

ab 5 Jahren

4.13

Ernährung parenteral oder über Sonde

unter 18 Monaten

ab 18 Monaten

 

Modul 6 Kinder - Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

6

Altersentsprechender Selbständigkeitsgrad

Nr.

unselbständig

überwiegend unselbständig

überwiegend selbständig

selbständig

6.1

Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen

unter 2 Jahren und 6 Monaten

von 2 Jahren und 6 Monaten bis unter 5 Jahre

von 5 Jahren bis unter 7 Jahre

ab 7 Jahren

6.2

Ruhen und Schlafen

unter 6 Monaten

von 6 Monaten bis unter 5 Jahre

von 5 Jahren bis unter 11 Jahre

ab 11 Jahren

6.3

Sichbeschäftigen

unter 6 Monaten

von 6 Monaten bis unter 3 Jahre

von 3 Jahren bis unter 5 Jahre

ab 5 Jahren

6.4

Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen

unter 2 Jahren und 6 Monaten

von 2 Jahren und 6 Monate bis unter 3 Jahre

von 3 Jahren bis unter 5 Jahre

ab 5 Jahren

6.5

Interaktion mit Personen im direkten Kontakt

unter 6 Wochen

von 6 Wochen bis unter 9 Monate

von 9 Monaten bis unter 12 Monate

ab 12 Monaten

6.6

Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

unter 12 Monaten

von unter 12 Monaten bis unter 3 Jahre

Von 3 Jahren bis unter 5 Jahre

ab 5 Jahren

 

Ab einem Alter von elf Jahren werden Kinder – sofern sie sich altersentsprechend entwickelt haben – in allen Modulen des Begutachtungsinstruments als selbstständig eingestuft und es gelten die pflegegradrelevanten Berechnungsvorschriften für Erwachsene.

 

Widerspruchsmöglichkeit gegen Bescheid

Nachdem der Pflegekasse das Gutachten des MDK über die Beurteilung des Pflegegrades vorliegt, erlässt diese einen Bescheid. Hierbei handelt es sich um einen Verwaltungsakt im Sinne des § 31 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X).

Wenn Sie mit der Pflegegrad-Einstufung nicht einverstanden sind, dann können Sie gegen diesen Bescheid Widerspruch einlegen. Hierbei wird ein sogenanntes Vorverfahren eingeleitet, welches im Bereich der Sozialversicherung vor einer sozialgerichtlichen Klage durchzuführen ist. Sollte also beispielsweise die Zuordnung zu einem Pflegegrad abgelehnt werden oder der Pflegegrad zu niedrig verbeschieden werden, kann nach § 84 Sozialgerichtsgesetz (SGG) binnen eines Monats, nachdem der Verwaltungsakt bekanntgegeben wurde, Widerspruch erhoben werden.

Mit dem Widerspruch wird begehrt, dass die mit dem Verwaltungsakt mitgeteilte Entscheidung, nochmals geprüft wird. Es ist nicht erforderlich, dass das Widerspruchsschreiben die ausdrückliche Bezeichnung „Widerspruch“ enthält. Auch ist nicht erforderlich, dass der Widerspruch gesondert begründet wird.


Pflegestützpunkte und Reha-Servicestellen in Niedersachsen

Bei Widerspruchsverfahren helfen Ihnen beispielsweise die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegestützpunkte in Niedersachsen oder der Reha-Servicestellen.


 

Leistungen der Pflegeversicherung

Überblick

Pflegegrade

Geldleistung/Pflegegeld

ambulant,
in Euro

Pflegesachleistung

ambulant,
in Euro

Entlastungsbetrag

ambulant (zweckgebunden),
in Euro

Leistungsbetrag

vollstationär,
in Euro

Pflegegrad 1

**

**

125

125

Pflegegrad 2

316

689

125

770

Pflegegrad 3

545

1.298

125

1.262

Pflegegrad 4

728

1.612

125

1.775

Pflegegrad 5

901

1.995

125

2.005

** Bei Pflegegrad 1 gewährt die Pflegeversicherung Leistungen nach § 28a SGB XI.

Pflege im häuslichen Umfeld (ambulant)

Pflegegeld kann in Anspruch genommen werden, wenn Angehörige oder Ehrenamtliche die Pflege übernehmen. Das Pflegegeld kann auch mit ambulanten Pflegesachleistungen kombiniert werden..

Mit ambulanten Pflegesachleistungen können Versicherte die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch nehmen. Ambulante Pflegesachleistungen können auch mit dem Pflegegeld kombiniert werden.


 

Entlastungsbetrag (zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen)

Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden, können sogenannte zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Diese sollen die Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen unterstützen, zum Beispiel um eine Betreuung im Alltag sicherzustellen oder zur Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung oder der Organisation des Pflegealltags.

Ab 1. Januar 2017 erhalten Pflegebedürftige aller Pflegegrade (1 bis 5), die ambulant gepflegt werden, einen einheitlichen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Dieser ersetzt die bisherigen zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI. Der Entlastungsbetrag ist keine pauschale Geldleistung, sondern zweckgebunden. Er kann für Leistungen durch nach Landesrecht anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag eingesetzt werden. Oder zur (Ko-)Finanzierung einer teilstationären Tages- oder Nachtpflege, einer vorübergehenden vollstationären Kurzzeitpflege oder von Leistungen ambulanter Pflegedienste (in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung) verwendet werden.

Der Entlastungsbetrag wird zusätzlich zu den sonstigen Leistungen der Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege gewährt, er wird mit den anderen Leistungsansprüchen also nicht verrechnet. Nicht  ausgeschöpfte Beträge können innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres in die Folgemonate bzw. am Ende des Kalenderjahres noch nicht verbrauchte Beträge können in das darauffolgende Kalenderhalbjahr übertragen werden.


 

Pflege bei Verhinderung einer Pflegeperson (sog. Verhinderungspflege)

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Max. Leistungen pro Kalenderjahr in Euro

Pflegegrad 1

**

Pflegegrad 2-5

1.612 Euro für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege bis zu sechs Wochen

** Bei Pflegegrad 1 gewährt die Pflegeversicherung Leistungen nach § 28a SGB XI.

Ist die Pflegeperson vorübergehend an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Ersatzpflege. Diese sogenannte Verhinderungspflege kann dann durch einen ambulanten Pflegedienst, durch Einzelpflegekräfte, ehrenamtlich Pflegende oder nahe Angehörige erfolgen.

Es ist eine Ersatzpflege von bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr möglich. Außerdem können bis zu 50 Prozent des Leistungsbetrags für Kurzzeitpflege (das sind bis zu 806 Euro)  zusätzlich für Verhinderungspflege ausgegeben werden. Verhinderungspflege kann dadurch auf maximal 150 Prozent des bisherigen Betrages ausgeweitet werden. Der für die Verhinderungspflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Kurzzeitpflege angerechnet. Seit dem 1. Januar 2016 wird auch die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes für bis zu sechs Wochen im Jahr fortgewährt. Die Leistungen der Verhinderungspflege stehen den Versicherten der Pflegegrade 2 bis 5 zu.

Verhinderungspflege kann stundenweise in Anspruch genommen werden. Bei einem Zeitrahmen von weniger als 8 Stunden pro Tag wird das Pflegegeld nicht gekürzt.


 

Kurzzeitpflege

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Max. Leistungen pro Kalenderjahr in Euro

Pflegegrad 1

bis zu 125 einsetzbarer Entlastungsbetrag

Pflegegrad 2-5

1.612 Euro für Kosten der Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen

Pflegebedürftige können für eine begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen sein, beispielsweise zur Bewältigung von Krisensituationen bei der häuslichen Pflege oder übergangsweise im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt. Für sie gibt es die so genannte Kurzzeitpflege in entsprechenden stationären Einrichtungen.

Seit dem 1. Januar 2015 ist gesetzlich festgelegt, dass der im Kalenderjahr bestehende, noch nicht verbrauchte Leistungsbetrag für Verhinderungspflege auch für Leistungen der Kurzzeitpflege eingesetzt werden kann. Dadurch kann der Leistungsbetrag der Kurzzeitpflege maximal verdoppelt werden; parallel kann auch die Zeit für die Inanspruchnahme von vier auf bis zu acht Wochen ausgeweitet werden. Der für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Verhinderungspflege angerechnet. Seit dem 1. Januar 2016 besteht auch ohne Inanspruchnahme des Leistungsbetrages der Verhinderungspflege generell ein Anspruch auf acht Wochen Kurzzeitpflege. Auch die Weiterzahlung des hälftigen Pflegegeldes bei Inanspruchnahme einer Kurzzeitpflege wurde auf acht Wochen im Jahr ausgeweitet. Diese Ansprüche gelten ab 1. Januar 2017 für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5. Pflegebedürftige Personen mit dem Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat einsetzen, um Leistungen der Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen.


 

Übergangspflege für Menschen ohne Pflegestufe bzw. Pflegegrad

Es gibt Fälle, in denen Menschen vorübergehend Pflege benötigen, ohne dass eine Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung vorliegt, zum Beispiel nach einer Operation oder aufgrund einer akuten schwerwiegenden Erkrankung. Bisher hatten Patientinnen und Patienten hierbei keinen Anspruch auf gesetzliche Leistungen. Diese Versorgungslücke schließt das Krankenhausstrukturgesetz mit der sogenannten Übergangspflege als neue Leistung der Krankenkassen.

Seit 1. Januar 2016 haben Versicherte für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen Anspruch auf Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege sowie auf eine Haushaltshilfe. Befinden sich Kinder im Haushalt, die bei Beginn der Leistung jünger als zwölf Jahre oder behindert und auf Hilfe angewiesen sind, kann die Haushaltshilfe auf bis zu 26 Wochen verlängert werden. Reichen diese Leistungen nicht aus, besteht Anspruch auf Aufnahme in eine Kurzzeit-Pflegeeinrichtung für bis zu acht Wochen je Kalenderjahr. Die Krankenkasse beteiligt sich an den Kosten für Pflege, Betreuung und Behandlungspflege bis zu einem Betrag von jährlich 1.612 Euro.


 

Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Einmaliger Höchstbetrag in Euro

Pflegegrad 1

2.500 pro Person
10.000 pro Wohngruppe

Pflegegrad 2-5

2.500 pro Person
10.000 pro Wohngruppe

Neue Wohnformen wie  Pflege-Wohngemeinschaften bieten die Möglichkeit, zusammen mit Frauen und Männern in ähnlicher Lebenssituation zu leben und Unterstützung zu erhalten – ohne auf Privatsphäre und Eigenständigkeit zu verzichten. Für die Gründung von ambulant betreuten Wohngruppen, sogenannten Pflege-WGs, sieht die Pflegeversicherung eine Anschubfinanzierung vor, die es ab 2017 auch für Pflegebedürftige im neuen Pflegegrad 1 gibt.

Pflegebedürftige, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben, die bestimmte Mindestanforderungen erfüllen, haben unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich zu den anderen Leistungen Anspruch auf einen monatlichen Wohngruppenzuschlag. Damit kann eine Person finanziert werden, die in der Pflege-WG zum Beispiel organisatorische, betreuende oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernimmt. Der Wohngruppenzuschlag wird ab 2017 erhöht und steht auch Pflegebedürftigen im neuen Pflegegrad 1 zu.

Pflegebedürftigkeit

In Graden

 

Max. Leistungen pro Monat in Euro

Pflegegrad 1

214

Pflegegrad 2-5

214


 

Teilstationäre Leistungen der Tages-/Nachtpflege

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Max. Leistungen pro Monat in Euro

Pflegegrad 1

bis zu 125 Euro einsetzbarer Entlastungsbeitrag

Pflegegrad 2

689

Pflegegrad 3

1.298

Pflegegrad 4

1.612

Pflegegrad 5

1.995

Unter Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung) versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung.

Seit dem 1. Januar 2015 können die Leistungen der Tages- und Nachtpflege neben der ambulanten Pflegesachleistung/dem Pflegegeld in vollem Umfang in Anspruch genommen werden, eine Anrechnung der Leistungen aufeinander erfolgt nicht mehr. Zudem wurde der Anspruch auf Versicherte in der sogenannten „Pflegestufe 0“ erweitert. Ab 1. Januar 2017 haben Versicherte der Pflegegrade 2 bis 5 Anspruch auf Tages- und Nachtpflege. Personen im Pflegegrad 1 können ihren Entlastungsbetrag hierfür einsetzen.


 

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Max. Leistungen pro Monat in Euro

Pflegegrad 1

40

Pflegegrad 2-5

40

Pflegehilfsmittel sind Geräte und Sachmittel, die zur häuslichen Pflege notwendig sind, sie erleichtern oder dazu beitragen, die Beschwerden des Pflegebedürftigen zu lindern oder ihm eine selbstständigere Lebensführung zu ermöglichen. Technische Pflegehilfsmittel werden in der Regel teilweise oder gegen eine Zuzahlung zur Verfügung gestellt.

Die Kosten für Verbrauchsprodukte in Höhe von bis zu 40 Euro pro Monat werden von der Pflegekasse erstattet. Dazu gehören Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Einwegschürzen, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sowie Mundschutz und Fingerlinge.


 

Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Max. Zuschuss je Maßnahme in Euro

Pflegegrad 1

4.000

Pflegegrad 1

wenn mehrere Antragsberechtigte zusammen wohnen

16.000

Pflegegrad 2-5

4.000

Pflegegrad 2-5

wenn mehrere Antragsberechtigte zusammen wohnen

16.000

Werden Versicherte zu Hause gepflegt und betreut, kann es hilfreich sein, das Wohnumfeld an ihre besonderen Belange anzupassen. Hierfür leistet die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse.


 

Pflege in vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen

Pflegebedürftigkeit

in Graden

max. Leistungen pro Monat in Euro


 
Pflegegrade 2 bis 5


266

Wenn Pflegebedürftige sich in vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen aufhalten, beteiligt sich die Pflegeversicherung in Anlehnung an die in den Einrichtungen erbrachten Pflegeleistungen pauschal in Höhe von zehn Prozent des Heimentgelts, höchstens jedoch mit 266 Euro monatlich an den Heimkosten. Die Pflegebedürftigen haben darüber hinaus Anspruch auf ungekürztes Pflegegeld anteilig für die Tage, an denen sie sich in häuslicher Pflege befinden.


 

Weitere Informationsquellen

Die Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes können Sie beim MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.) unter

https://www.mds-ev.de/fileadmin/dokumente/ Publikationen/SPV/Begutachtungsgrundlagen/ 17-07-17_BRi_Pflege.pdf

herunterladen oder als Broschüre bestellen.


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